Neue Gasumlage ab Oktober 2022: Wofür? Wer Zahlt?

UPDATE: Die Gas-Umlage (Gasbeschaffungsumlage) kommt nun doch nicht. Es gibt aber noch immer die neue Gasspeicherumlage und die Mehrwertsteuersenkung auf 7 Prozent auf Gas tritt auch zum 1.10.2022 in Kraft.

Ab Oktober 2022 wird die neue Gas Umlage greifen. Dies ist die sogenannte Gasbeschaffungsumlage. Die neue Gas Umlage soll damit sehr kurzfristig eingeführt werden. Durch diese kurzfristige Einführung gibt es einige Probleme und einige offene Fragen.

Neben der Gasbeschaffungsumlage wird zum 1. Oktober 2022 durch die Bundesregierung auch noch die Gasspeicherumlage eingeführt. Dazu später mehr.

Was verbirgt sich hinter der Gasbeschaffungsumlage?

 

Gasumlage: Wie hoch?

Die Gasumlage wird ab 1. Oktober 2022 bei 2,419 Cent je Kilowattstunde (netto) liegen. Dies ist aber nur der Wert für die ersten 3 Monate der Umlage. Die Gas Umlage wird alle drei Monate angepasst.

Die 2,419 Cent pro Kilowattstunde liegen im angekündigten Bereich zwischen 1,5 Cent und 5 Cent je Kilowattstunde.

 

Mehrkosten der Gasumlage bis Ende Dezember 2022:

  • Single Haushalt bei 5000 kWh: 121 Euro netto
  • Pärchen Haushalt bei 10.0000 kWh: 242 Euro netto
  • Große Familie im Eigenheim mit 35.000 kWh: 847 Euro netto

 

Verbraucher, die Gas nutzen, werden hier also sehr stark zusätzlich belastet. Laut aktueller Gesetzeslage kommt hier noch die Mehrwertsteuer hinzu. Bundeskanzler Olaf Scholz hat hier gerade eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent verkündet. Diese Absenkung der MwSt. kostet den Staat aber kaum etwas bzw. kann sogar zur Mehreinnahmen führen:

 

Alter Netto-Gaspreis MwSt. Einnahmen des Staates pro kWh
5 Cent 19 Prozent 0,95 Cent
15 Cent 7 Prozent 1,05 Cent

 

Dies ist allerdings nur der Wert für die ersten 3 Monate der Gasbeschaffungsumlage. Nach 3 Monaten kann sich der Wert erneut ändern. Die aktuellen Gaspreise an der Börse steigen stark. Deshalb ist ein weiterer Anstieg der Gasbeschaffungsumlage nicht ausgeschlossen.

Der Stand der aktuellen Gaspreise kann hier also trotz abgesenkter MwSt. für Mehreinnahmen beim Staat sorgen. Für Neukunden liegen die aktuellen Gaspreise noch über diesen Werten. Einige Bestandskunden liegen noch unter den Werten. Aber auch die Bestandskunden bekommen schrittweise Preisanpassungen.

 

Auswirkungen der Gasumlage

Beispielrechnung bei aktuell 12,8 Cent je kWh brutto / 200 Euro brutto (168,07 Euro netto) Grundpreis

Haushaltsgrößte / Verbrauch in kWh Rechnung vor dem 1.10.2022 Rechnung nach dem 1.10.2022 mit 7 Prozent
Single Haushalt bei 5000 kWh 840 Euro 885 Euro
Pärchen Haushalt bei 10.0000 kWh 1480 Euro 1589 Euro
Eigenheim mit 35.000 kwh 4680 Euro 5114 Euro

 

Gasumlage: Wofür?

Mit der Gas Umlage sollen große Gas Importeure und Zwischenhändler vor der Insolvenz gerettet werden. Diese großen Gas Importeure verkauften ihr Gas weiter an hunderte Stadtwerke und Gasanbieter in Deutschland.

Diese Gas Großhändler bekommen aber seit einiger Zeit deutlich weniger Gas aus Russland als vertraglich vereinbart. Russland hält sich hier also nicht an Verträge. Stattdessen sucht Russland Gründe für eine politisch gewollte Verknappung beim Gas.

Russland hält sich nicht an Lieferverträge für Gas

Russland ist hier also kein zuverlässiger Vertragspartner mehr. Früher, während der Zeit des Kalten Krieges, war dies noch anders. Damals hatte Russland zuverlässig Gas geliefert. Zur Zeit des Kalten Krieges gab es aber auch noch keine wirklichen Alternativen Gasabnehmer für Russland. Heute würde auch China große Mengen Gas abnehmen.

Die großen Gas Importeure, z.B. Uniper, kaufen das fehlende Gas am Weltmarkt zu sehr hohen Preisen nach. Die aktuellen Gaspreise liegen erheblich über den vertraglich mit Russland vereinbarten Gaspreisen. Durch diese preisliche Differenz sind große Gasimporteure in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen.

Ohne Gas-Umlage viele Insolvenzen möglich

Diese Gas Importeure haben gültige Verträge mit hunderten von Stadtwerken und Gasanbietern, die sie auch erfüllen müssen. Auf der anderen Seite haben sie aber einen Vertragspartner in Russland, der sich nicht an Verträge hält und vertragsbrüchig ist. Aufgrund der enormen Gasmengen und der großen preislichen Differenz hätte dies zur Insolvenz vieler Gas-Großhändler geführt.

Die Insolvenz eines Großhändlers hätte zu einer Kettenreaktion geführt und bei vielen deutschen Stadtwerken und Gasanbietern zu Insolvenzen geführt. Durch den Einstieg des Staates bei Uniper und die Einführung der Gas Umlage kann dieses unkontrollierte Insolvenzrisiko gemindert werden.

Die Alternative wäre die komplette Finanzierung der preislichen Differenz durch den Staat gewesen. Da hier in Summe aber enorme Beträge auflaufen, hat man sich für die Einführung der Gas Umlage entschieden. Diese wird die Verbraucher in Deutschland zusammen mit den schon jetzt hohen Gaspreisen aber enorm belasten.

 

Wann wird die Gasumlage erhoben?

Die Gasumlage wird am 1. Oktober 2022 eingeführt. Laut Plan soll sie bis zum 1. April 2024 erhoben werden.

Die Gas Umlage wird nach einer komplizierten Formel berechnet. Grob vereinfacht können Gas-Großhändler 90% ihrer Verluste über die Gasumlage weiterreichen. Die Verluste der Gasimporteure entstehen durch die teure Nachbeschaffung von Gas am Markt. Hier gelten die Gesetze von Angebot und Nachfrage. Das Angebot von Gas ist klein, da das Angebot künstlich verknappt wurde, und die Nachfrage ist groß. Die nachbeschafften Gasmengen multipliziert mit der Differenz zwischen dem aktuellen Marktpreis und dem ursprünglichen Vertrags-Preis können durch die Gas Großhändler also über die neue Umlage finanziert werden.

Wann wird die neue Umlage von den Verbrauchern verlangt? Überregionale Gasanbieter und Stadtwerke können diese neue Gasumlage an ihre Kunden weitergeben. Sie müssen hierbei aber die gültigen Ankündigungsfristen einhalten. Dies sind in der Regel vier bis sechs Wochen. Die Frist ist abhängig von den AGBs des Gasvertrages.

Einige Gasanbieter werden die Gasbeschaffungsumlage zum 1.10.2022 an die Kunden weitergeben. Andere werden wahrscheinlich erstmals im November die Gasbeschaffungsumlage verlangen.

 

Wann ändert sich die Gas-Umlage?

Die Umlage kann sich alle 3 Monate ändern. Da sich die Unternehmen an der Umlage nicht bereichern sollen, müssen alle 3 Monate die tatsächlichen Mehrkosten berechnet werden. Die Termine sind demnach

  • 1.10.2022
  • 1.1.2023
  • 1.4.2023
  • 1.7.2023
  • 1.10.2023
  • 1.1.2024

Sie werden in den kommenden Monaten also deutlich häufiger Post von Ihrem Gasanbieter bekommen.

 

Wer zahlt die neue Gasumlage?

Der Grundgedanke der neuen Gas-Umlage ist die Verteilung der Mehrkosten für den teuren Gas-Nachkauf auf möglichst viele Schultern.

Im ersten Entwurf wurden nur Kunden von Gasanbietern belastet, die ihr Gas direkt oder indirekt aus Russland bezogen. Das hätte diese Gaskunden aber enorm belastet. Deshalb gibt es jetzt den Ansatz, die Mehrkosten auf möglichst viele Schultern zu verteilen. Dies betrifft also alle Unternehmen und Haushalte in Deutschland, die Gas nutzen.

Laut aktueller Gesetzeslage bleiben nur Kunden mit einer vollen Preisgarantie auf den Bruttopreis von der neuen Gasumlage verschont.

 

Wie wird die neue Gas Umlage erhoben?

Die neue Umlage wird vom sogenannten Marktgebietsverantwortlichen für Deutschland “THE Trading Hub Europe” erhoben. Der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe stellt die Gas Umlage den Stadtwerken und Gasanbietern in Rechnung. Diese können die Umlage dann von den Gaskunden mit Verträgen ohne Bruttopreisgarantie verlangen.

 

Welche Länder führen die Gasumlage ein?

Die Gasumlage wird nur in Deutschland eingeführt.

Es gibt aber noch weitere Umlagen, die beim Erdgas eine Rolle spielen und zu höheren Energiekosten führen. So wurde zum 1.10.2022 auch die Gasspeicherumlage eingeführt. Diese beträgt 0,059 ct/kWh netto. Verbraucherinnen und Verbraucher können also durch die Summe der Umlagen und die höheren Beschaffungs-Koster mit höheren Preisen rechnen. Die Energiepreise in Deutschland werden also deutlich steigen.

 

Fazit

Deutschland und Europa werden durch die gestiegenen Gaspreise deutlich geschwächt, da auch die deutsche Industrie unter den hohen Energiepreisen leidet. Erdgas wird in Deutschland auch für die Stromerzeugung genutzt. Dadurch verteuert sich auch der Strom.

Auch Privathaushalte haben so monatlich deutlich weniger Geld zur freien Verfügung bzw. können die Gasrechnungen und Stromrechnungen nicht mehr zahlen. Die hohen Energiepreise werden sich also auch auf den Konsum der Privathaushalte auswirken.

Wer profitiert denn momentan? Dies sind die USA und China. Die USA können jetzt ihr Fracking-Gas teuer verkaufen. China bekommt zukünftig russisches Erdgas sehr günstig und kann so die Produktion von Gütern weiter ausbauen. Wenn die Preise sich so verfestigen, werden viele energieintensive Unternehmen in Deutschland große Schwierigkeiten bekommen. Die energieintensive Produktion wird also teilweise in ein Land mit weniger Umweltauflagen verlagert werden. Anschließend werden die Güter dann mit großen Containerschiffen nach Europa gebracht. Für die Umwelt macht das also auch keinen Sinn.

Wer verliert momentan? Deutschland ist aktuell durch die hohen Erdgaspreise stark getroffen. Aber auch Russland verliert hier mittelfristig, da es abhängiger von China wird. China kauft das Erdgas zu deutlich geringeren Preisen als Europa. China kann aber kurzfristig aufgrund der fehlenden Infrastruktur nicht das Erdgas bekommen, das für Europa gedacht war. Stattdessen wird das Gas in Russland sinnlos abgefackelt, da die Bohrlöcher nicht ohne Probleme verschlossen werden können.